Crowdsourcing in Deutschland: Infografik mit Beispielen und Plattformen

Innovationen, die in den letzten Jahren unser Leben bedeutend verändert haben, scheinen maßgeblich mit der Eroberung der Internetlandschaft durch das Web 2.0 verbunden. Bei einer Wissenslücke „googeln“ wir passende Begriffe und landen dann meist auf Wikipedia, wo im Kollektiv und ohne Bezahlung Artikel geschrieben und korrigiert werden. Um mit Freunden Neuigkeiten auszutauschen, schreiben wir auf deren Facebook Pinnwand, und anstatt Postkarten zu verschicken, berichten wir von unserem Urlaub einfach im eigenen Blog.

Kurzum, wir benutzen das Internet nicht mehr nur, um Informationen zu konsumieren: Häufig sind wir aktiv daran beteiligt, selbst Inhalte zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig können dank des Web 2.0 Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Erde miteinander interagieren und gemeinsam an Projekten arbeiten, ohne zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein. Genau hier befindet sich auch der Ausgangspunkt des Crowdsourcing.

Was ist Crowdsourcing?

Eine Crowdsourcing Definition wurde erstmals 2006 von Jeff Howe in einem Artikel für das Magazin Wired verwendet. Beim “crowd sourcing” wird laut Howe eine Aufgabe, die normalerweise von einem ausgewiesenen Dritten – meist einem Angestellten – ausgeführt wird, der anonymen Masse (”Crowd”) gestellt. Es findet ein Outsourcen der Arbeit in Form eines offenen Aufrufs statt. So kann die Öffentlichkeit zum Beispiel dazu aufgerufen werden, zusammen das Design für eine neue Produktverpackung zu entwerfen oder eigene Ideen zur Entwicklung einer neuen Technologie beizusteuern. Online entstehen auf diese Weise alle möglichen Produkte: von Kochbüchern, über Reiseführern, bis hin zu Kleidern und Schuhen.

Nach dem Motto: lass deine Kunden für dich arbeiten, versuchen Unternehmen über Crowdsourcing immer öfter die Schwarmintelligenz zu nutzen, um Probleme zu lösen oder Produkte zu verbessern. Letztendlich profitiert auch der Kunde, da er erstens für die Mitarbeit entlohnt wird und zweitens selbst die Entwicklung von Produkten und Technologien nach seinen Vorstellungen beeinflussen kann. Zuletzt versuchte Pepsi, eine ganze Marketingkampagne mit dem Motto „Ultimate Refresh“ über die Masse zu produzieren. Mit der Hilfe von Will.I.am von den Black Eyed Peas wurde im Internet dazu aufgerufen, eigene Samples für einen Song namens „La La La“ von LMFAO aufzunehmen und dann online zu stellen. Der Text und die Hintergrundmusik konnten im Voraus ganz einfach heruntergeladen werden. Der Song und das Video wurden dann aus vielen der eingesammelten Samples zusammengeschnitten und frei zum Download bereitgestellt.

Crowdsourcing Definition heute

Heute muss der Begriff Crowdsourcing aber noch weiter gefasst werden. Denn die “Crowd” erledigt über das Internet nicht nur Aufgaben direkt für Unternehmen. Vielmehr werden komplette Produkte unabhängig hergestellt oder neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Das berühmteste Beispiel für diese Art des Crowdsourcing ist wohl Wikipedia, wo viele angemeldete und nicht-angemeldete Autoren unentgeltlich Artikel schreiben, die dann wiederum gemeinschaftlich korrigiert und aktualisiert werden. Das gesamte Geschäftsmodell basiert auf der Gestaltung des Angebotes durch die Crowd. Auch Crowdfunding und p2p-lending gehören zum Crowdsourcing: Finanzierungen privater oder geschäftlicher Projekte werden durch die Liquidität privater Anleger – der Crowd – ermöglicht.

Crowdsourcing Beispiele und Crowdsourcing Plattformen

Crowdsourcing Beispiele und Crowdsourcing Plattformen - Infografik
Unsere Infografik zeigt, wie bunt die Verwendung von Crowdsourcing allein in Deutschland ist und stellt verschiedene Crowdsourcing Beispiele und Crowdsourcing Plattformen dar.

Finanzen

Das Crowdfunding ist ein Bereich des Crowdsourcing, bei dem die Crowd Projekte finanziert. Im Juni konnten wir in einer Blogserie zum Thema Crowdfunding im deutschsprachigen Raum bereits ausführlich darüber berichten und deutschsprachige Crowdfunding Plattformen vorstellen. Beim p2p Lending werden Kredite von Privatpersonen an Privatpersonen vergeben. Hierbei stellt ein potentieller Kreditnehmer seinen Kreditwunsch und das damit verbundene Projekt online vor, das anschließend durch eine anonyme Gruppe privater Anleger direkt finanziert wird. Hiermit beschäftigen wir uns auf smava.de.

Autos

Die Plattformen Tamyca, Rent-n-Roll und Nachbarschaftsauto ermöglichen es Menschen die sich noch nie zuvor gesehen haben, sich gegenseitig Autos zu leihen. So profitieren die Autoverleiher von zusätzlichen Einkommen, während sie das Auto nicht brauchen, und die Mieter von geringeren Preisen als bei herkömmlichen Mietwagen.

Kleider

Ähnlich dem Crowdsourcing von Autos tauschen hier Menschen, die sich nicht kennen, ihre Kleider. Klamottentausch.net und Swapinthecity.de organisieren hierfür Events in unterschiedlichen Städten, zu denen man dann eigene Kleidungsstücke mitnimmt, die man gerne loswerden würde, und sie vor Ort gegen neue Kleidungsstücke tauscht. Auch bei garmz wird das Prinzip des Crowdsourcing in Verbindung mit Kleidern genutzt. Im Vergleich mit den Giganten der Branche ist es für kleine Designer schwer die eigenen Stücke produzieren zu lassen, geschweige denn diese ohne eigenen Laden zu verkaufen. Garmz gibt einzelnen Designer die Möglichkeit ihre Entwürfe online zu stellen, und sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Besucher der Seite geben dann ihre Stimme ab und die erfolgreichsten Entwürfe werden produziert und im Online Shop verkauft.

Reisen

In dieser Rubrik kann über Reiseführer, Unterkünfte oder Transportmittel zum Urlaubsziel einiges über Crowdsourcing bezogen werden. So kann man über Mitfahrgelegenheit.de ganz einfach jemanden finden, der eine Fahrt zu einem bestimmten Ort plant und noch einen Platz im Auto frei hat. Das mitfahren ist dann schonend für die Umwelt und spart für alle Beteiligten Kosten. Bei couchsurfing.com und 9flats.com findet man anschließend schnell eine kostenlose oder zumindest günstige Unterkunft, denn hier werden Reisende weltweit mit Menschen verbunden, die am jeweiligen Reiseziel leben und ihre Wohnungen zur Zwischenmiete anbieten.

Büros

Beim sogenannten Coworking werden Arbeitsräume zeitlich flexibel von unterschiedlichen Start-ups, Freiberuflern, Kreativen usw. genutzt. Gleichzeitig wird so der Ideenaustausch zwischen denen gefördert, die im Coworking Space arbeiten, wobei diese nicht aus der gleichen Branche stammen müssen. Oft erhalten Projekte, die in Coworking Spaces entstehen, so komplett neue Facetten. Coworking Spaces sind über ganz Deutschland verteilt, Betahaus und Club-Office gehören beispielsweise zu den Anbietern. Rockzipfel bedient in diesem Bereich eine Nische und will es Eltern ermöglichen, Arbeit und Kinderbetreuung besser zu vereinen. Eltern unterstützen sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung, so dass mehrere Eltern arbeiten können, während andere betreuen.

Wissen

Es muss sich beim Crowdsourcing nicht immer um Produkte handeln, die man nach einem erfolgreichen Projekt in der Hand halten kann, auch Wissen und Expertise können wie bei Wikipedia gesammelt und kollektiv eingesetzt werden. Beispiele für Plattformen, auf denen Fragen an die Crowd gestellt und von dieser beantwortet werden sind Wer-weiß-was.de und Gutefrage.net.

Arbeitskraft

Für die Bewältigung mancher Projekte bedarf es Expertise auf einem speziellen Gebiet, um beispielsweise einen animierten Kurzfilm für Werbezwecke zu erstellen, oder eine bestimmte Software zu programmieren. Hierfür müssen Unternehmen oft auf teure Agenturen oder Experten zurückgreifen. Über unterschiedliche Crowdsourcing Plattformen kann dies vermieden werden, indem in einer großen Community viele Freiberufler mit Fachkönnen zusammen kommen. Ein Unternehmen stellt auf diesen Plattformen den Auftrag und den hierfür erwünschten Preis online und wartet bis sich Mitglieder der Community für den Auftrag bewerben. Sobald ein passendes Mitglied aus der Community gefunden wurde, realisert dieser das Projekt. Bei clickworker.com werden große Aufträge in viele kleine Jobs zerteilt, die dann auf tausende Menschen, die “Clickworker”, verteilt werden. Bei den Aufträgen handelt es sich um das Verfassen von Texten, Übersetzungen oder Recherchearbeiten. Bei 12designers werden über Crowdsourcing Illustrationen, Grafiken und andere Designs wie Firmenlogos und Social Media Designs kreiert. Über Elance können nach demselben Prinzip Projekte und Aufträge aus allen möglichen Bereichen an eine Community bestehend aus Autoren, Marketingfachleuten, IT-Spezialisten, Steuerberatern etc. gestellt werden.

Marketing

Mit dem Crowdsourcing von Marketing Maßnahmen beschäftigen sich unter anderem RankSider, Fiveo und Buzzer.biz. Bei RankSider können SEO und Social Media Kampagnen in Auftrag gegeben werden, die dann von einem Mitglied der Community ausgeführt werden. Über Fiveo können Interessierte für wenig Geld Online Marketing Dienste erwerben. Buzzer.biz setzt im Gegensatz zu Social Media und Online Marketing auf die altbewährte Mundpropaganda. Mitglieder testen Produkte und stellen ihre Meinung hierzu online. Die Firmen, die am Projekt teilnehmen, erhalten so kostenlos Feedback für die Produktentwicklung.

So kann über Crowdsourcing alles Erdenkliche produziert, verbessert, entwickelt, finanziert und getauscht werden. Über Kleider, Autos, 3- Gänge Menüs, Marketingkampagnen und Videos kann die Crowd alles schaffen, und jeder hat eine Chance daran teilzuhaben und seine Ideen mit einzubringen.
Uns interessiert: Habt ihr schon Erfahrungen mit Crowdsourcing gemacht? Kennt ihr noch andere Bereiche in denen crowd sourcing angewendet wird? Welche Crowdsourcing Plattformen gibt es noch?

Wir freuen uns auf Anregungen und neue Ideen aus der “Crowd” zu unserem Artikel!

Das smava Team

16 Kommentare zu “ Crowdsourcing in Deutschland: Infografik mit Beispielen und Plattformen ”

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  13. Mia

    Der Bereich “Arbeitskraft” in der Grafik sollte vielleicht aufgrund der dort aufgeführten Beispiele konkreter genannt werden: z.B. “Design”. Eine weitere Crowdsourcing-Plattform diesem Bereich ist auch http://www.designenlassen.de

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