Verleiten Pools zu mehr Risiko?

Oft hören wir in Telefongesprächen mit Anlegern die Frage, ob die bei smava vorhandenen Pools Anleger zu höheren Risiken im  Portfolio ermutigen, „weil diese ja abgesichert seien?“ Dahinter steckt folgender Gedanke: Anleger gehen höhere Risiken ein, weil der Pool sie absichert – und erhalten dennoch hohe Zinsen.

 

Um diese Frage zu beurteilen, werfen wir einen Blick auf die Funktionsweise der Pools. Über die Pools sichern sich die Anleger ihren Kapitaleinsatz in einer Bonitätsklasse gegenseitig ab. Wie? Indem die Ausfälle von allen Anlegern eines Pools gemeinsam getragen werden. Wichtig: das betrifft nur den Tilgungsanteil einer Rate. Für den Zins einer Rate ist jeder Anleger allein verantwortlich, d.h. man erhält den Zins einer Rate solange „mein“ Kreditnehmer die Raten zahlt.

 

Dies hat zwei Effekte:

 

1. Pools sichern jeden einzelnen Anleger gegen einen Totalverlust seines Investments ab. Und das bereits wirkungsvoll, auch wenn er nur 1 Kreditprojekt finanziert.
(Anmerkung: gilt auch bereits für die noch recht „frischen“ 60-Monats-Pools. Selbst bei den  zur Zeit noch geringen Volumina besteht – die Steigerungsraten der letzten 15 Monate auch in der Zukunft unterstellt – ein wirksamer Schutz. Denn über die Laufzeit eines Kredites hängt der Großteil der Zahlungen nicht an der Pool-Performance der ersten Monate, in denen die Pools noch klein sind, sondern an der Pool-Performance über die gesamte Laufzeit von 60 Monaten, also zu Zeiten, in denen die Streuung volle Wirkung entfaltet (sagen wir in 4 von 5 Jahren).

 

2. Pools machen das Basisrisiko eines Kreditprojekts kalkulierbar und damit bepreisbar – über den Zusammenhang Bonitätsklasse – Ausfallrisiko – Renditeaufschlag.

 

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass das Pool-Risiko für einen einzelnen Anleger als „gegeben“ angesehen werden kann. Warum? Weil die Pool-Performance im wesentlichen von dem Basisrisiko der im Pool vorhandenen Kreditnehmer abhängt – und der Summe aller Anlageentscheidungen. Eine einzelne Anlageentscheidung  hat wenig Einfluss, sprich: eine gute oder eine schlechte Entscheidung „gewinnt oder verliert kein Spiel“. Ein Zahlenbeispiel verdeutlicht dies: die Finanzierung eines einzelnen Kreditvertrages mit €250 macht nur einen geringen Anteil am gesamten Pool-Volumen aus. Wenn zur Zeit jemand in ein Kreditprojekt im mittelgroßen Pool E36 (80 Verträge, €429.750 Kreditvolumen) investiert, hat seine Anlage einen Volumenanteil von unter 0,06%.

 

Die „Richtigkeit“ der Summe aller Anlageentscheidungen kann folgerichtig nur dann vorhanden sein, wenn die Anreizstruktur für Anleger funktioniert. Wie sieht diese also aus? Zum Verständnis der Anreizstruktur nehmen wir zwei unterschiedliche Anleger-Typen: Hans und Klaus.

 

Hans denkt sich: „Für mich ist das Rendite-Risiko-Profil eines einzelnen Kreditprojektes entscheidend, in das ich investiere. Gut, dass das Basisrisiko über die Pools abgesichert ist. Aber wenn der Kreditnehmer ausfällt, kriege ich keine Zinsen mehr! Deshalb akzeptiere ich mit 11% auch einen Zins, der etwas unter dem Durchschnitt liegt, wenn ich dafür ein angemessenes Risiko erhalte.“

 

Klaus überlegt: „Über den Pool tragen alle anderen meine Risiken. Deswegen konzentriere ich mich darauf, in der Bonität E die Kredite zu finanzieren, die das höchste Risiko haben, denn dort kann ich auch höhere Zinsen verlangen. Wenn es schief geht, bin ich ja abgesichert.“

 

Die zentrale Frage ist nun, wer fährt besser? Zur Beurteilung ziehen wir eine Zahlungsquote des Pool E36 in Höhe von 95% heran. Für beide gilt: Egal, für welches Kreditprojekt sie sich entscheiden – auf den Pool und damit die Rendite der anderen Anleger hat das kaum Einfluss. Für ihre eigene Rendite macht es aber einen großen Unterschied. Wie das, wo der Zinsanteil doch „nur“ den kleineren Teil der Gesamtzahlungen ausmacht? Durch die Pools ist zwar sichergestellt, dass sie ihr Geld nicht vollständig verlieren können. Aber: ihre Entscheidung ist dafür verantwortlich, ob sie 5% verlieren oder eine Rendite von knapp 10% pro Jahr gewinnen!

 

Ein rational abwägender Anleger wie Hans wird das Risiko seines Investments berücksichtigen. Er wird nach seinen besten Möglichkeiten versuchen, eines der 95% Kreditprojekte auszuwählen, bei denen er von der ersten bis zur letzten Rate alle Zinsen von seinem Kreditnehmer erhält. Er wird zu vermeiden suchen, eines der 5% der Kreditprojekte zu finanzieren, bei denen er nur wenige bis gar keine Zinsen erhält. Denn dann würde er nur eine Rendite bekommen, die nur knapp über 0% oder gar darunter liegt.

 

Für einen risikofreudigen Anleger wie Klaus gilt folgendes: Er hat das höchste Risiko gesucht, und einen hohen Zinssatz dafür bekommen. Und das höhere Risiko kann sich auch schnell bemerkbar machen. Nehmen wir das Beispiel, dass der Kreditnehmer also ausfällt. Was passiert?

  1. Die Zahlungsquote des Pools wird belastet, aber nur in einem geringem Ausmass. Dadurch sinkt die Rendite aller anderen Anleger, aber eben gering.
  2. Jedoch verliert Klaus – je nach Ausfallzeitpunkt seines Kreditnehmers – seine Rendite. Im schlechtesten Fall kann er sogar zusätzlich rund 5% seines Kapitals verlieren.

Das Beispiel zeigt: Ein reines Optimieren auf die Zinshöhe – wie bei Klaus – durch bewusste Inkaufnahme eines besonders hohen Risikos kann zwar eine individuelle Anlage-Strategie sein. Aber: der Anleger kann „sein Renditerisiko“ nicht auf den Pool abwälzen. Im Gegenteil: das Rendite-Risiko eines finanzierten Kreditprojektes trägt Klaus immer selbst.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Annahme, dass Anleger-Pools durch ihre Anreizstruktur die risikoreichen Anleger begünstigen und für viele „hochrisikante Kredite in einem Pool sorgen (sogenannte „adverse Selektion“), trifft nicht zu. Denn die Anreizstruktur, unnötige Risiken innerhalb einer Bonitätsklasse zu vermeiden, gilt mit (und auch ohne) Pools! Vereinfacht ausgedrückt: Auch mit den Pools ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.

 

Ich freue mich über Kommentare und auf eine spannende Diskussion!

Eckart Vierkant, Mitgründer und Geschäftsführer smava GmbH

7 Kommentare zu “Verleiten Pools zu mehr Risiko?

  1. Zitat:

    …. Selbst bei den zur Zeit noch geringen Volumina besteht – die Steigerungsraten der letzten 15 Monate auch in der Zukunft unterstellt – ein wirksamer Schutz. Denn über die Laufzeit eines Kredites hängt der Großteil der Zahlungen nicht an der Pool-Performance der ersten Monate, in denen die Pools noch klein sind, sondern an der Pool-Performance über die gesamte Laufzeit von 60 Monaten, also zu Zeiten, in denen die Streuung volle Wirkung entfaltet (sagen wir in 4 von 5 Jahren).

    Das ist zwar richtig, aber auch hier liegt ein Risiko. Denn wenn die Poolquote in einem Poll so stark fällt, das sie Neuanlagen unattraktiv macht, dann entfällt das Wachstum in diesem Pool. Also angenommen von den 60 Monaten sind erst 14 Monate vorbei und im E60 Pool fällt die Quote auf 75%. Rational agierende Anleger werden E60 Kredite meiden (und stattdessen in Kredite anderer Bonitäten und Laufzeiten investieren). Damit stoppt das Wachstum. Die bereits laufenden Kredite laufen aber noch mehr als 3 Jahre zu der dann schlechten Poolquote, wenn sie nicht vorzeitig getilgt werden. Und wenn einzelne vorzeitig getilgt werden, verschlechtert dies für die verbleibenden die Poolquote weiter.

    Zudem steigen bei schlechten Pool quoten die Zinsen für neue Kreditprojekte. Rational agierende Kreditnehmer können auf Kredite anderer Laufzeiten (bei denen die Poolquote nicht vorbelastet ist) ausweichen um niedrigere Zinsen zu für ihren Kredit zu ermöglichen.

    Fazit: Schlechte Poolquoten führen zu einem sich selbst verstärkenden Effekt für diesen Pool.

  2. Hallo Herr Vierkant,

    ich kann nur für mich sprechen, und MICH verleiten die Pools zu mehr Risiko.
    In drei Punkten stimme ich in meiner Analyse nicht mit Ihnen überein:

    1. Es ist nicht richtig, dass ich durch den Pool zwingend meine komplette Rendite verliere. Im Forum und auf smava.beobach.de gibt es ein paar Schaubilder, in denen man klar sieht, dass für ein 36-Monats-Projekt mit hohem Zins (und derzeitigen Zahlungsquoten) i.d.R. nach ca. 6 Monaten der Break-Even erreicht ist, danach verdiene ich Geld, selbst wenn mein Projekt ausfällt!

    2. Der Pool reduziert mein Risiko nicht nur, er erhöht es auch! Es ist ja eben NICHT so, dass ich durch den Pool nur abgesichert werde, ich werde auch belastet. Abhängig von der Poolentwicklung kann ich sehr wohl auch Kapital verlieren – und zwar im Extremfall mehr als 5% – OHNE DASS MEIN PROJEKT AUSFÄLLT, nur durch die Wirkung des Pools! Ich steht hier also für Risiken ein, die andere Leute eingehen. Einzelne Pools (z.B. der Pool „F“) sind davon bereits heute nicht weit entfernt.
    Dieser Aspekt ist insbesondere deshalb wichtig, da die Zahlungsquoten des Pools auch einen negativen Rückkopplungseffekt haben, der weitere Risiken verursacht. Z.B. beträgt der aktuelle Durchschnittszinssatz im Marktplatz für Bonität A36 10,7% zzgl. Gebühr, also über 11%. Bei diesem Zinssatz, der unter anderem durch die schlechte Zahlungsquote im Pool A bedingt wird (derzeit ca. 4% Ausfall, im Gegensatz zu den von smava prognostizierten 0,3%), werden Kreditnehmer mit wirklich guter Bonität vermutlich günstigere Alternativen haben, d.h. ich habe eine negative Selektion, die erwartete Zahlungsquote des Pools A wird sich weiter verschlechtern.

    3. Die Alternative zum Pool ist nicht, 250€ bei einem Ausfall zu verlieren, sondern eine breitere Streeung durch niedrigere Mindestanlagesummen zu ermöglichen. Sobald ich in der Lage bin, meine Anlage über ca. 20-30 Projekte zu streuen, habe ich eine vergleichbare Absicherung, ohne aber dabei von den Entscheidungen dritter abhängig zu sein.

    In Summe lässt sich sagen: für mich ist derzeit der Pool ein Killerkriterium für weitere Anlagen, gerade weil er das Risiko eben NICHT reduziert, sondern meiner Ansicht nach sogar erhöht. Dies kann ich einerseits theoretisch herleiten als andererseits auch an meinem eigenen Verhalten erkennen.

    Ich hoffe, dass Sie dieses Element überdenken werden

    Pippin, Anleger der ersten Stunde.

  3. Korrektur: Unter Punkt 1 sollte es heißen: „Es ist nicht richtig, dass ich durch einen AUSFALL zwingend meine komplette Rendite verliere“

  4. Einfache Verbesserungsmöglichkeit, die die Nachteile des Pools erheblich verringert: Sichern Sie nur das Kapital ab, nicht eventuell schon erreichte Gewinne. Mit anderen Worten: wenn ein Kreditprojekt ausfällt, sollte der Pool höchstens dafür sorgen, dass der Anleger kein Kapital verliert; der Pool sollte nie dazu führen, dass der Anleger mit einem ausgefallenen Projekt noch eine positive Rendite erwirtschaftet. Derzeit kann das passieren, wenn ein Projekt erst spät ausfällt.
    Eine solche Verbesserung sollte erstens den „Moral Hazard“ verringern (weniger Anreiz, in riskante Projekte zu investieren und dabei einen Großteil des Risikos auf den Pool abzuwälzen) und zweitens, da weniger abgesichert wird, den Pool für alle Anleger billiger machen.

  5. Darf ich daran erinnern, dass es zur Zeit kaum statistisch abgesicherte Negativkriterien gibt, die es erlauben würden, „gute“ von „schlechten“ Projekten zu unterscheiden? Nur bei älteren Kreditnehmern darf man auf Grund der Sterbewahrscheinlichkeit und des Modus der Übergabe der Kredite 6 Wochen nach einer Spätzahlung an das Inkasso-Unternehmen von einem erhöhten Ausfallrisiko ausgehen. Selbst die „Support Vector Machine“ (SVM), die das Smava-Mitglied ra mit historischen und aktuellen Daten trainiert hat, vermag Ausfälle VORHER nicht zuverlässig genug vorherzusagen. HINTERHER sind immer alle schlauer.

  6. Das ist ein valider Einwand.
    Aber man könnte es auch so sehen, dass das weitgehende Fehlen von verwertbaren Informationen in den meisten Projektbeschreibungen auch eine FOLGE der Tatsache ist, dass das Risiko einzelner Projekte keine sehr hohe Priorität bei der Anlageentscheidung genießt.

  7. Die Idee des Pools halte ich für sehr gut, nur der Pool sollte nicht aus dem Kapital finanziert werden, sondern aus den Zinsen (Zinsquote). z. B. Pool H

    laufende Kredite 379.750,–

    monatliche Rückzahlung ca. 10.548,– Zinsen ca. 6.300,–
    Juli Quote 76,5 % 8.069,– 4.819,–
    Verzug + Ausfall 2.479,–

    Durch Pool abgesichert 76,5 % = 1.884,04 gleich 39,10 % der Zinsen

    entspricht einer Zinsquote von 60,90 %

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