P2P-Kreditplattformen – ein Blick in die Zukunft

Unser heutiger Gast-Blogger Robert Hadzetovic ist Web 2.0 Experte und beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema neue Geschäftsmodelle in der virtuellen Welt. In Peer-to-Peer-Kreditmarktplätzen wie Prosper, Zopa oder smava sieht er großes Zukunftspotential.

Wir leben ja in einer sehr spannenden Zeit. Schon faszinierend zu sehen wie die Bankenkrise alle noch so großen Institute zum Zittern, Wanken, ja sogar zum Fallen bringt. Ich kenne niemanden, der großes Mitleid hat mit den Banken und Versicherungen. Zu schlecht sind die Erfahrungen, die wohl jeder schon mal mit dem Finanzdienstleistungssektor gemacht hat. Präpotente Banker, die einem mit verschränkten Armen gegenübersitzen. Versicherungen, die im Schadensfall so gut wie nie zahlen. Und die fragwürdigen Praktiken der Banken, bei fallenden Zinsen unmittelbar zu reagieren, bei steigenden jedoch sich so viel Zeit wie möglich zu lassen.

Kommt es darauf an, Innovationskraft zu zeigen, ist der Banken- und Versicherungssektor sicherlich immer in der letzten Reihe. Zu gut ist es ihnen immer gegangen. Eine Riesen-Chance für P2P-Kreditplattformen! Ich bin ja überzeugt, dass sich dieses Modell bestimmt durchsetzen und etablieren wird. Banken sehen das anders. Ich habe ja nun viele Gespräche mit Banken geführt. Kommt es auf das Thema P2P-Kredite bzw. deren Internetportale, kann man Banker in zwei Gruppen unterteilen: Gruppe A, die „Normalen“, was die deutlich größere Gruppe darstellt, die noch nie etwas davon gehört haben und in lautes Lachen ausbrechen, wenn man davon erzählt. Gruppe B, die „Höchst Innovativen“, ein verschwindend geringer Prozentsatz, die immerhin schon mal davon gelesen haben. Was beide Gruppen gemeinsam haben: Niemand kann sich auch nur im Ansatz vorstellen, dass solche Modelle irgendwann mal eine signifikante Rolle spielen werden.

Diese Meinung ist natürlich legitim. Sie erinnert nur ein wenig an die Meinung von einem großen deutschen Enzyklopädie-Verlag, der gemeint hat, dass es sein Werk noch weitere 200 Jahre geben wird (Brockhaus hat vor wenigen Monaten die gedruckte Version zum letzten Mal herausgegeben). Man könnte diese ja kaufen und irgendwann auf ebay versteigern… Wo wir schon beim nächsten großen Irrtum wären. Ebay und alle anderen Online-Anzeigenportale dieser Welt haben den Anzeigenmarkt der Zeitungen weltweit zusammenbrechen lassen. Mit enormen finanziellen Anstrengungen probieren die Verlage ihre eigenen Portale hochzuziehen. Ein letztes Beispiel ist die Musikindustrie, die anstatt Napster&Co. zu klagen etwas Ähnliches wie den iTunes Store hätte hochziehen können.

Zurück zum Thema Banken und P2P-Kreditportale. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Banken in nächster Zeit auf diesen Zug aufspringen werden. Zwei Gründe, warum die Zukunft für smava & Co. rosig sein muss: Die Bankenkrise hat gezeigt, dass das Vertrauen, das man seiner Bank entgegengebracht hat, völlig übertrieben war. Und zweitens: In Zeiten wie diesen werden Banken sich auf alles andere konzentrieren als auf innovative Projekte. Klassische Manager leben ohnehin getreu dem Motto: Das Risiko, mit einem innovativen Projekt auf die Nase zu fallen und dafür die Konsequenzen tragen zu müssen, steht in keinem Verhältnis zu der Anerkennung, die man erntet, wenn man ein solches Projekt erfolgreich umgesetzt hat. Nach diesem Motto leben freilich nicht nur Bankenmanager. Es war immer klar, dass der Finanzdienstleistungssektor der nächste sein wird, der mangels Innovation unter dem Internet-Boom zu leiden haben wird.

Viele Grüße
Robert Hadzetovic
Web 2.0 Leader
Deloitte Consulting GmbH

3 Kommentare zu “P2P-Kreditplattformen – ein Blick in die Zukunft

  1. Wenn Banker die Zukunftschancen von P2P-Kreditportalen belächeln, rüht dies vermutlich daher, dass sie immer noch auf den allzu menschlichen Wunsch nach absoluter gefühlter Sicherheit setzen. Wenn es darum geht, sein eigenes hart verdientes Geld „loszulassen“, sprich zu verleihen oder zu investieren, sind Vertrauen und Sicherheit wesentliche Faktoren. Dass diese gefühlte Sicherheit jedoch in der heutigen Zeit auch von Banken nicht mehr wirklich absolut garantiert werden kann, macht die These umso interessanter: wird das allgemeine Vertrauen in andere Menschen gegenüber dem (noch) gelebten Vertrauen in Institutionen oder den Staat die Oberhand gewinnen?

  2. Hm,

    ich sehe das ja prinzipiell genauso. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob das Banken-Bashing hier gerechtfertigt ist. Rein rechtlich gesehen ist doch nun smava auch nur ein Factoring-Frontend für die biw-Bank, oder?

    Weiß eigentlich schon jemand, was hier regulierungstechnisch im Busch ist? Stichwort: Begrenzung des Verkaufs des Kreditrisikos? Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen 5% sind natürlich noch moderat, aber heißt das dann, dass die biw-Bank künftig an allen smava-Krediten noch beteiligt ist?

    Gruß

    pippin

  3. Mir ist es ganz wichtig klarzustellen, dass ich/wir hier auf keinen Fall Banken-Bashing betreibe. Vielmehr geht es mir darum aufzuzeigen, dass es potentielle Parallelen bei den Businessmodellen Bank/Versicherung mit anderen geben könnte die ganz schwere Einbrüche wegen Interent/Trends/Web 2.0 hinnehmen mussten.
    Im gegenteil, wenn man den Gedanken p2p-Banking weiterpsinnt, werden die selben Probleme auftauchen wie bei klassischen Banken. Dann platzt eben die online-Banken-Blase…
    Trotzdem finde ich, dass Banken und Versicherungen gravierende strategische Fehler machen indem sie diesen Entwicklungen zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

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