smava Kreditratgeber: Dispo – Banken wollen Kunden stärker auf Alternativen hinweisen

von Michael Gneuss

Bei Dispozinsen greifen Banken und Sparkassen ihren Kunden gerne ordentlich in die Tasche. Bis zu 15,32 Prozent fallen bei einzelnen Instituten für die genehmigte Überziehung des Girokontos an, der durchschnittliche Dispozinssatz liegt bei 11,76 Prozent. Das ergab eine Umfrage der Stiftung Warentest, für die rund ein Drittel der mehr als 1500 befragten Banken und Sparkassen Informationen über ihre Zinskonditionen bereitstellten.

Verbraucherschutzorganisationen sowie Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisieren die Kreditinstitute für das Einstreichen der hohen Dispozinsen schon lange. Offenbar mit Erfolg: Die Banken und Sparkassen haben nun nach einem Spitzentreffen bei Ministerin Aigner angekündigt, Kunden, die übermäßig lange im Minus sind und hohe Dispozinsen zahlen, auf günstigere Alternativen hinzuweisen. Gleichzeitig hat die deutsche Kreditwirtschaft Maßnahmen für mehr Transparenz in Aussicht gestellt. Ministerin Aigner wertete die Zugeständnisse als einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“.

Nun müssen die beabsichtigten Maßnahmen von den Instituten aber konkretisiert werden und letztlich wird der Verbraucher – der zwar auf mehr Hilfestellung seitens der Banken hoffen darf – selbst in der Verantwortung bleiben, sich vor zu hohen Zinsen zu schützen. Die Festlegung einer verbindlichen Obergrenze für Dispozinsen lehnt Ilse Aigner weiterhin ab.

Die Kritik der Verbraucherschützer an der Höhe der Dispozinsen wird damit sicher nicht abreißen. Die Guthabenzinsen seien so niedrig wie nie, an den Konditionen für Überziehungen hätte sich allerdings nichts geändert, bemängelte die Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen bereits im Juli dieses Jahres. Auch nach Einschätzung der Warentester sollten die Dispozinsen deutlich niedriger sein. Denn die Banken selbst leihen sich aktuell für 0,75 Prozent Geld am Kapitalmarkt. Diese günstigen Konditionen würden laut Verbraucherschutzzentralen nicht an die Kunden weitergegeben.

Die Deutsche Kreditwirtschaft allerdings sieht keinen direkten Zusammenhang zwischen Leitzins und Dispozinsen. Die Dachorganisation der Finanzbranche beruft sich vor allem auf die im Zusammenhang mit dem Dispositionskredit entstehenden höheren Kosten, Risiken und Arbeitsaufwände. So sei der Dispokredit vor allem gekennzeichnet durch seine kurzfristige und flexible Inanspruchnahme. In diesem erhöhten Nutzungsspielraum für den Kunden spiegele sich zwangsläufig auch in höheren Zinsen im Vergleich zu Ratenkrediten wider, so die Branche.

Der Dispo ist also nur zur kurzfristigen Überbrückung eines finanziellen Engpasses gedacht, zum Beispiel, wenn die Waschmaschine ihren Geist aufgibt das Auto repariert werden muss oder Sie einen neuen PC, Tablet oder Laptop finanzieren müssen. Er ist nicht dazu gedacht, dauerhaft in Anspruch genommen zu werden. Für Kunden, deren Konten übermäßig lange im Minus geführt werden, lohnt die Umschuldung auf einen Ratenkredit, der bei der aktuellen Zinslage zu deutlich günstigeren Konditionen zu haben ist. Dabei wird ein Ratenkreditvertrag geschlossen, mit dessen Auszahlung das überzogene Konto ausgeglichen wird.

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