eBay und smava – ein persönlicher Vergleich vom Mitgründer beider Portale Jörg Rheinboldt

Ich habe ein paar Grundüberzeugungen, die ich schon immer hatte und die immer gültig sind. Eine davon ist mein fester Glaube, dass man sein Schicksal immer selbst in die Hand nehmen sollte und zumeist auch kann.

 

Daher machen mir Gechäftsmodelle am meisten Spaß, bei denen es darum geht, Menschen in die Lage zu versetzen, genau das zu machen. Bei alando und eBay war es so, dass unsere Nutzer Zugang zu einem offenen Marktplatz für nahezu Alles haben und mit anderen Menschen oder auch Firmen handeln können. Da es bei eBay immer zuerst um die Artikel geht und erst dann um die Verkäufer, hat man die Chance mit dem eigenen Artikel mit jedem anderen Anbieter zu konkurrieren. Es geht nicht primär darum, wer man ist, bzw. welche Marke man ist, sondern darum, wie gut der Artikel beschrieben ist und wie Erfahrungen der Handelspartner sind, mit denen man schon Geschäfte gemacht hat. Über das Bewertungssystem kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, mit wem man es zu tun hat. Diese neue (und eigentlich sehr alte) Art miteinander direkte Geschäfte zu machen, muss man im Internet erst neu lernen.

 

Ich erinnere mich noch gut an die vielen Gespräche und Interviews, in denen wir erklärten, dass Auktionen im Internet überhaupt nichts Elitäres sind und dass man – wie auch im „echten Leben“ auch sein Gehirn mitbringen muss, um gute und nachhaltige Geschäfte zu machen. Ein Deal der zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch. Inzwischen haben viele Menschen gelernt, wie man online gute Ware verkauft und findet, und welche persönlichen Anforderungen an die Artikel und Handelspartner bestehen. Ich persönlich kaufe zum Beispiel inzwischen viele Dinge global ein, wenn die Reputation meiner Handelspartner stimmt.

 

Bei smava sind wir an einem ähnlichen Punkt, wie bei eBay Anfang des Jahres 2000. Theoretisch ist schnell erklärt, wie man ein gutes Geschäft macht. Wir haben früher schon gescherzt, dass wir einfach nur 10 Minuten mit jedem unserer Nutzer Zeit haben müssten, um zu erklären, wie man kauft oder verkauft. Denn dann ist alles ganz logisch und konsistent.

 

Wenn man im Jahr 2000 über Auktionen gesprochen hat, kannten die meisten Menschen das Thema nur im Zusammenhang mit Kunst oder der Verwertung von Grundstücken oder Geschäftsausstattungen im Zusammenhang mit Insolvenzen. Im täglichen Leben hat das Thema kaum eine Rolle gespielt. Über die Zeit ist es – zumindest meinem Eindruck nach – so, dass das Thema Kaufen und Verkaufen im Internet eine andere Wahrnehmung in Deutschland hat und manchmal glaube ich sogar, dass sich das Verständnis von „Besitz“ etwas verändert: Man kauft etwas nicht mehr, um es für immer zu Behalten. Es ist eher so, dass man sich denkt „Ich kann das Zelt nutzen und es dann einfach wieder verkaufen“. Das funktioniert deshalb, weil es einen funktionierenden, liquiden Marktplatz gibt, auf dem Angebot und Nachfrage zusammen treffen.

 

Wenn man heute über Kredite nachdenkt, ist das für die meisten Menschen ein Thema für die Banken. Auf der Nachfragerseite ist es ein unangenehmes aber manchmal notwendiges Thema und auf der Anbieterseite kommt kaum jemand in Deutschland auf die Idee zu sagen: „Ich habe gesehen, dass die Leute Darlehen aufnehmen und z.B. für ihren Dispositionskredit 14 Prozent Zinsen zahlen. Ich könnte auch mein Geld verleihen und wäre mit 8% Zinsen zufrieden.“ Das war einer der ersten Gedanken, den wir hatten, als wir begannen, über smava nachzudenken. Wir fanden es unfair, dass es keinen freien Zugang zu den Finanzmärkten gibt, denn das Internet macht es möglich, Angebot und Nachfrage strukturiert aufeinander „treffen“ zu lassen.

 

Natürlich ist Geld ein sensibles Thema und natürlich gibt es große Unterschiede, sich eine CD online zu kaufen oder sich zehntausend Euro über einen Kreditmarktplatz zu leihen, aber die grundsätzlichen Mechanismen sind ähnlich: Mit guten und zuverlässigen Informationen kann man gute Geschäfte machen. Die Transparenz und Qualität der Informationen sind neben der Marktplatzliquidität der zweite Erfolgsfaktor für einen erfolgreichen Markt. Nicht nur im Internet, sondern natürlich auch in der realen Welt.

 

Jörg Rheinboldt

 

Dieser Beitrag stammt aus der Feder des Mitgründers von eBay und smava: Jörg Rheinboldt. Nächsten Donnerstag erzählt er im smava-Blog, welche Überlegungen zur Entstehung von smava geführt haben.