eBay und smava Teil 2 – Jörg Rheinboldt und die Herausforderung smava

Kredite aufzunehmen und zu vergeben ist berechenbar und wird schon lange gemacht. Es gibt viele Hilfsmittel, das Risikopotential und die Ertragschance zu berechnen. Die Idee von smava ist, diese Werkzeuge den Marktplatzteilnehmern zur Verfügung zu stellen. Wir haben die Wertschöpfungsketten rund um Darlehen analysiert und sie dann aufgebrochen. Die notwendigen Stufen existieren weiter, aber einige Stufen erschienen uns nicht notwendig (das führt aus Darlehensnehmersicht dazu, dass Geld bei smava tendenziell preiswerter sein kann als bei klassischen Darlehen von Banken) und andere Stufen waren uns nicht transparent genug.

 

Im Unterschied zu eBay, wo wir viele Sicherheitsmechanismen erfunden und implementiert haben, gibt es sehr viele bewährte Werkzeuge, das Risiko bei Darlehen zu berechnen und damit als sehr zuverlässigen Entscheidungsfaktor zu nutzen. Bei eBay sind viele der Werkzeuge für die Marktplatzteilnehmer optional: Jeder kann sich seinen Sicherheits- und Komfortlevel selbst konfigurieren. Bei smava geht es um größere Beträge und vor allem dauert das Verhältnis der Handelspartner länger. Daher haben wir uns entschieden, eine „Gatekeeper“ Rolle einzunehmen: Wir regeln, wer auf den Marktplatz darf, und in welchem Rahmen sich jeder einzelne Marktplatzteilnehmer bewegen darf. Die Werkzeuge, die wir dafür nutzen, müssen wir nicht neu erfinden: Sie stehen schon lange zur Verfügung. Wir nutzen sie nur ein wenig anders als die Banken: Wir sind in alle Richtungen transparenter und versuchen ein System zu etablieren, bei dem sich alle auf Augenhöhe gegenüber stehen. Dabei sind wir so transparent wie möglich und schützen dabei alle Marktplatzteilnehmer so weit wie möglich.

 

Wir haben dann beschlossen, dass wir das Geschäftsmodell auf unserem Marktplatz ganz transparent machen: Wir haben ein Komissionsmodell, bei dem wir unsere Dienstleistung in Abhängigkeit von der Höhe der Transaktion berechnen. Das Ertragspotential aus dem Management des Risikos gehört den Anbietern. Durch die von uns zur Verfügung gestellten Werkzeuge und Dienstleistungen haben wir in den letzten Monaten gezeigt, dass diese „Arbeitsteilung“ für alle vorteilhaft und erfolgreich ist. Wir konzentrieren uns darauf einen liquiden, transparenten und sicheren Marktplatz bereit zu stellen und die Kunden von smava machen gute Geschäfte miteinander. Jeder Marktplatzteilnehmer hat die Chance die für sie oder ihn besten Geschäfte zu machen. Und alles, was drum herum passiert, ist transparent.

 

Jetzt haben wir nur noch eine „kleine“ Herausforderung: Unser Ziel zu erreichen, dass das Thema Darlehen genauso „für alle“ wird, wie das Thema Auktionen. Um dorthin zu kommen, stehen die smava Mitarbeiter jeden Morgen auf.

 

Und zum Schluss noch ein Wunsch von mir: Die Forderung nach Transparenz und Liquidität gilt übrigens nicht nur für eBay und smava: Ich habe mit betterplace.org eine Stiftung mitgegegründet, mit der wir den Marktplatz für Spenden bauen. Vielleicht spenden Sie einen Teil Ihrer smava Rendite an ein Projekt auf betterplace.org?

 

Vielen Dank!

Jörg Rheinboldt

4 Kommentare zu “eBay und smava Teil 2 – Jörg Rheinboldt und die Herausforderung smava

  1. Na dann wollen wir mal hoffen, dass wir auf smava genug Gewinn machen, dass wir Geld zum Spenden übrig haben :)

    Bisher setzt sich das smava-Team ja kräftig dafür ein, aus verspäteten Zahlungen keine Ausfälle werden zu lassen. Weiter so! Ich halte alle verfügbaren Daumen gedrückt.

  2. Sehr geehrter Herr Rheinboldt,

    sowohl die eBay- als auch die Smava-Gemeinschaft sind Ihnen und Ihren Mitarbeitern für Ihre unternehmerischen Initiativen sehr dankbar. Sie haben erkannt, dass mündige Bürger mit einfachen und überschaubaren Rahmenbedingungen versehene Internet-Plattformen zur Regelung ihrer Bedürfnisse in der wirtschaftlichen Interaktion sehr erfolgreich nutzen können.

    Leider haben die mündigen Bürger Deutschlands in der politischen Sphäre nicht solche umfassenden und freiheitlichen Möglichkeiten, wie es z. B. die Schweizer Bürger mit ihrer direkten Demokratie seit Jahrzehnten erfolgreich praktizieren. Das führt in Deutschland dazu, dass Politik zunehmend gegen die Interessen breiter Bevölkerungsschichten durchgesetzt wird. Ein wesentliches Beispiel dafür ist die komplizierte und in ihrer Gesamtheit ungerechte Steuergesetzgebung.

    Diese Abgaben- und Steuergesetze richten sich zunehmend nicht nur gegen die ökonomisch Schwächsten der Gesellschaft, sondern gegen den bisher staatstragenden Mittelstand selbst. Wie lange wird es wohl dauern, bis man auf eBay-Auktionen Umsatzsteuern erhebt? Auch bei Smava ist das Problem der Verrechnung von Poolverlusten mit Zinserträgen noch nicht zur Zufriedenheit der Anleger geklärt worden.

    Wenn wir nicht gemeinsam den zunehmenden Demokratieverlust in unserem Land unterbinden und für adäquate direktdemokratische Strukturen in unserem politischen Gemeinwesen kämpfen, werden weder Sie noch die Nutzer Ihrer Ideen die verdienten Früchte der aufgewendeten Arbeit ernten können.

    So sehr wir Ihre Bemühungen zur Etablierung einer Spendenplattform (das Wort Marktplatz scheint hier weniger geeignet) schätzen, stellt sich die Frage, wer hier für wen und was spenden soll. Der Staat presst die Bürger immer weiter aus, ohne adäquate Gegenleistungen dafür abzuliefern. Welcher Bürger hat heute noch Geld für Spenden übrig? Es wird überall gespart, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Seit über zehn Jahren sinkende Reallöhne, eine steigende Teuerung und eine explodierende bürokratische Gängelung der Bürger und Unternehmen haben einen größeren Teil des Mittelstandes in die Armut getrieben und die Armen noch chancenloser gemacht (Stichwort: marodes Bildungswesen).

    Wenn man sich z. B. die Struktur der Smava-Nutzer auf der Kreditgeber-Seite anschaut, dann fällt auf, dass es nur wenige Investoren gibt, die mehr als 20.000 Euro angelegt haben. Als Ursache sehen wir nicht Skepsis gegenüber den Risiken, weil diese – wie Sie ja auch betonen – kalkulierbar sind. Die überwiegende Mehrheit der Kreditnehmer auf dem Smava-Marktplatz – wenn nicht sogar ALLE Anleger – sind Kleinanleger, die ihre mühsam über Konsumverzicht ersparten Euronen durch Kreditvergabe vor der zunehmenden Geldentwertung schützen wollen.

    Nachdem sie der Risikoprämie Tribut gezollt und die mit einem viel zu niedrigen Freibetrag versehene Abgeltungsteuer an den Staat abgeführt haben, bleibt ihnen oftmals nur eine Nettoverzinsung ihrer kleinen Anlagebeträge von weniger als ein bis zwei Prozent. Das ist zwar durchaus mit dem ethischen Anliegen der Smava-Plattform vertretbar, Kredite zu fairen Bedingungen zu vergeben, reicht aber sicher nicht für üppige Spenden aus.

    Bitte richten Sie deshalb Ihre Spendenaufforderung nicht an die Smava-Investoren sondern an die wenigen Multimillionäre und Milliardäre, die sich das auch leisten können. Die Spieler der Fußball-Bundesliga wären da gute Ansprechkandidaten;-).

    Spenden sind ein guter moralischer Ansatz und haben ihre Berechtigung, sie dürfen aber nicht die Unfähigkeit der Politik überdecken und legitimieren, über ein faires Steuer- und Abgabensystem für einen „Wohlstandsausgleich“ sowohl national als auch international zu sorgen. Wir lehnen Spendensysteme egal welcher Art, die das Feigenblatt für eine gescheiterte Wirtschafts- und Sozialpolitik liefern, konsequent ab. Das richtet sich letztendlich gegen die Interessen der Bürger, weil sie den gewählten Abgeordneten in der Politik die Verantwortung für ihre Wähler abnehmen.

    Viel interessanter wäre da z. B. ein Engagement für eine Art Umsatzsteuer auf Geldgeschäfte im Promille-Bereich, mit der die wohlhabenden Länder eine steigende und gerichtete Entwicklungszusammenarbeit trotz leerer Staatskassen finanzieren könnten und damit auch die eigene Bevölkerung von Steuern/Abgaben entlasten würden. Diese Tobi-Steuer wurde von der Organisation Attack bereits öfter vorgeschlagen, aber von Entscheidungsträgern nie wirklich Ernst genommen.

    Es gibt weltweit eine Vielzahl von Organisationen, die Spenden für alle möglichen Zwecke einsammeln und zum Teil damit auch richtig gute Geschäfte machen. Da Sie sich Ihre Idee mit betterplace.org durch uns sicher nicht ausreden lassen werden, warten wir gespannt auf das innovative Potential, dass sich hoffentlich mit dem Vorhaben verbindet.

    Wenn Sie dabei an Mikrospenden denken, die Bürger für bestimmte Projekte vergeben können, ändert das zwar nichts an den obigen Argumenten, würde aber einem freiwilligen Bürger-Bürger-Transfer unter Bedingungen hoher Transparenz und Verifizierung völlig neue Werkzeuge bieten. Wer einmal selbst in einer Notlage war, wird wissen, dass sie/er Hilfe eher von den selbst weniger begüterten Mitmenschen erhält als von solchen, die es sich besser leisten könnten. Außerdem können viele Mikrospender vielleicht mehr bewirken als ein einzelner Megaspender.

    Alle diese Initiativen, die es den Bürgern erlauben, Ihre Angelegenheiten ohne staatliche Gängelung und Bevormundung in Eigenverantwortung zu lösen, sind gar nicht hoch genug einzuschätzen. Wir dürfen dabei aber nicht zulassen, dass sie als Alibi für die Untätigkeit derer herhalten können, deren gut bezahlter Job es ist, den Bürgern in diesen Angelegenheiten zu dienen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    DP-03

  3. Sorry Leute, aber spenden fängt bei einem selbst an. Dieses ewige Geschreie nach „den Anderen“ ist unerträglich.
    Das eigene Portmonaie fest im Griff aber die Hand an der Geldböse der anderen. Du selbst nichts spendest, dann verlange auch nicht das andere spenden mögen…

    Peinlich, peinlich.

  4. Ich funktioniere recht simpel: es gibt Dinge, die mich beschäftigen und Dinge, bei denen ich mit meinen Möglichkeiten etwas verändern kann und will. Wenn ich länger an einem Thema „denke“, frage ich mich immer: möchte ich „nur“ darüber nachdenken, oder möchte ich etwas tun. Nur wenn ich etwas tun möchte, beschäftige ich mich weiter mit dem Thema. Ich bewege Themen sozusagen aktiv in meinen Einflusskreis. Manche Themen depriorisiere ich ganz bewusst und stecke sie in meinen Ideenschrank und hole sie zu einem anderen Zeitpunkt wieder heraus.

    Das Thema Spenden hat mich schon lange und immer wieder beschäftigt. Ich sehe gar kein „entweder – oder“ sondern ein „sowohl als auch“. Jeder kann entscheiden, was sie oder er machen möchte. Und für mich war es wichtig, dass es mit betterplace eine Plattform gibt, auf der man sich einfach, schnell und sehr effektiv engagieren kann. Genauso wie man mit smava als Darlehensgeber oder Darlehensnehmer eine neue Möglichkeit hat, persönliche Unabhängigkeit zu managen und Verantwortung zu übernehmen, bietet betterplace die Möglichkeit, dies zu tun. Was ein jeder daraus macht, kann man selbst entscheiden. Uns geht es darum, die Möglichkeiten zu schaffen, dies zu tun. Bei betterplace geht es mir darum, dass man auch mit 10 Euro oder einer Stunde Vorlesen im Seniorenheim schon einen echten Unterschied machen kann. Wenn man mehr Geld, Zeit oder Dinge geben kann, dann kann und soll man das gerne tun.

    Ich kann die Gedanken von DP-03 nachvollziehen, teile sie allerdings nicht alle. (Muss ich bestimmt auch nicht). Sich positiv und konstruktiv zu engagieren, um Dinge zu verbessern und zu verändern ist einer der wichtigsten Motoren dafür, dass es besser wird.

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