Der Kredit aus dem Ausland ist keine empfehlenswerte Alternative

Eine ausreichende Bonität ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kreditvergabe durch eine seriöse Bank. Um die Kreditwürdigkeit eines Antragstellers zu prüfen, greifen Banken auf die Daten von Auskunfteien wie der Schufa zurück. Manche Verbraucher versuchen deshalb die Schufa-Abfrage durch einen Kredit aus dem Ausland zu umgehen. Tatsächlich ist dieser Schritt keine wirkliche Alternative, sondern kann das Risiko einer Überschuldung erhöhen.

Welche Regeln gelten in Deutschland für die Kreditvergabe?

In Deutschland sind Darlehensgeber allgemein dazu verpflichtet, die Kreditwürdigkeit bei Verbraucherdarlehensverträgen zu prüfen. Geregelt wird diese Pflicht in Paragraph 505a des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Dort heißt es explizit:

„Der Darlehensgeber hat vor dem Abschluss eines Verbraucherdarlehensvertrags die Kreditwürdigkeit des Darlehensnehmers zu prüfen. Der Darlehensgeber darf den Verbraucherdarlehensvertrag nur abschließen, wenn aus der Kreditwürdigkeitsprüfung hervorgeht, dass bei einem Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag keine erheblichen Zweifel daran bestehen, […] dass der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen, die im Zusammenhang mit dem Darlehensvertrag stehen, vertragsgemäß nachkommen wird.“ (Quelle: „https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__505a.html„)

Um die Bonität eines Antragstellers zu prüfen, greifen Banken oder andere Dienstleister in Deutschland auf die Daten von Auskunfteien zurück. Zu den populärsten und am weitesten verbreiteten Anbietern gehört die Schufa. Doch es gibt noch weitere Auskunfteien wie Bürgel, Creditreform, Deltavista oder infoscore, welche entsprechende Finanzdaten zu Verbrauchern bereitstellen.

Auf der Basis dieser Informationen wird den Kreditgebern die Einstufung der Kreditwürdigkeit erleichtert. Zugleich haben diese Daten einen weiteren Sinn: Sie verringern die Gefahr, dass sich Verbraucher durch die Kreditaufnehme überschulden und ihre Darlehen im schlimmsten Fall nicht mehr tilgen können. Die Kreditwürdigkeitsprüfung ist demnach eine wichtige Schutzfunktion, die jeder Kreditvergabe vorausgeht.

Die Rolle der Schufa bei der Ermittlung der Kreditwürdigkeit

Bonitätsprüfung Kredit

Die Schufa ist eine privatwirtschaftliche Auskunftei, die Zahlungsdaten von Verbrauchern speichert und für Unternehmen oder Banken bereitstellt. Das Kürzel Schufa steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Das Unternehmen besteht seit 1927 und wird von Kreditinstituten sowie Unternehmen zur Prüfung der Bonität von Geschäftspartnern und Kunden genutzt. Die Aufgabe der Schufa ist es demnach, Unternehmen vor Zahlungsausfällen zu bewahren.

Bei der Schufa sind Datensätze zu über 66 Millionen Personen und über 5,2 Millionen Unternehmen gespeichert. Diese Datensätze enthalten Informationen zu Konten, Telekommunikationsverträgen, Krediten oder Kreditanträgen. Neben Finanzdaten speichert die Auskunftei auch persönliche Daten wie Anschrift, Alter oder Familienstand. Was nicht in der Schufa-Auskunft gespeichert wird, sind Angaben zum Beruf sowie zum Einkommen.

Auf der Basis dieser Daten entwickelt die Schufa Vorhersagen zur Kreditwürdigkeit. Das Ergebnis dieser Datenanalyse ist der sogenannte „Schufa-Score“. Diese Einstufung reicht von 0 bis 100, wobei 100 die höchste Kreditwürdigkeit darstellt. Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit liegt dann bei 100 Prozent.

Je geringer der Schufa-Score ist, desto geringer ist demnach die Bonität der jeweiligen Person oder des Unternehmens. Tatsächlich liefert die Schufa aber nur eine Zahl und trifft selbst keine Entscheidung über die Kreditvergabe. Theoretisch könnte ein Kreditinstitut trotz schlechtem Schufa-Score einen Kredit vergeben, wenn weitere persönliche Kriterien dafür sprechen. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Kreditnehmer zwar eine negative Schufa hat, aber eine abbezahlte Immobilie als Kreditsicherheit hinterlegen kann.

Der Schufa-Score hat einen wichtigen Einfluss auf die Kreditkosten. Denn Banken lassen sich das Ausfallrisiko bei der Kreditvergabe in Form von höheren Zinsen vergüten. Reicht die Bonität laut Schufa-Auskunft für einen Kredit aus, hängt die Höhe der Zinsbelastung letztlich u.a. von der Höhe des Schufa-Scores ab. Ist dieser niedrig, werden die Zinsen höher sein, weil auch das Ausfallrisiko höher ist.

Diese Daten bekommen Unternehmen von der Schufa

Grundsätzlich gibt die Schufa Daten in zwei Klassen heraus. Sie unterteilen sich in A-Auskunft und B-Auskunft.

Banken, Bausparkassen oder Leasinggeber greifen auf die A-Auskunft zurück. Darin enthalten sind alle wichtigen Daten zu laufenden Krediten oder Kreditanfragen. Darüber hinaus werden die aktuellen Bankverbindungen aufgeführt.

Wenn Online-Shops oder Telekommunikationsanbieter eine Schufa-B-Auskunft einholen, wird lediglich übermittelt, ob die betreffende Person bei bestehenden Verträgen fristgemäß gezahlt hat und in diesem Bereich keine negativen Einträge vorliegen.

Warum besteht eine Nachfrage nach Krediten aus dem Ausland?

Wenn von einem „Kredit aus dem Ausland“ gesprochen wird, handelt es sich um ein Darlehen von einer Bank, deren Sitz nicht in Deutschland ist. Häufig sind es sogar Banken aus Ländern außerhalb der EU, zum Beispiel der Schweiz. Gerade in diesem speziellen Fall wird auch von „Schweizer Kredit“ gesprochen.

Viele Verbraucher versprechen sich durch die Kreditaufnahme im Ausland, dass dort die strengen Regularien bezüglich der Kreditwürdigkeitsprüfung nicht gelten. Konkret denken potentielle Kreditnehmer, sie könnten mit dem Auslandskredit einer Schufa-Abfrage entgehen, weil die Auskunftei nur in Deutschland aktiv ist.

Wer ohne Kreditwürdigkeitsprüfung arbeitet, ist unseriös

Der Wunsch nach einem Kredit mag zwar sehr drängend sein, doch Dienstleister, welche Darlehen ohne Bonitätsprüfung vergeben, sind nicht seriös. Aus diesem Grund sollten sich Verbraucher nicht dem Trugschluss hingeben, dass ein vertrauenswürdiges Kreditinstitut aus dem Ausland ohne Kontrolle der Kreditwürdigkeit arbeitet.

Wer im EU-Ausland oder auch in Nicht-EU-Ländern ein Darlehen aufnehmen möchte, wird immer einer Prüfung der eigenen Finanzlage zustimmen müssen. Auch wenn die Auskunfteien nicht Schufa, Bürgel und Co. heißen: Ein seriöses Kreditgeschäft beinhaltet immer eine Bonitätsprüfung.

Gefahren bei der Kreditaufnahme im Ausland

Aus diesem Grund sollten sich Verbraucher nicht auf mögliche Angebote wie „Auslandskredit ohne Schufa“ verlassen. Die Aussage trifft zwar dahingehend zu, dass die Schufa meist nicht für ausländische Banken aktiv wird. Eine Bonitätsprüfung verhindert das jedoch nicht.

Folgende Fallstricke warten bei der Kreditanfrage im Ausland:

1. Hohe Bearbeitungsgebühren:

Während Sie für eine Kreditanfrage in Deutschland nie Gebühren bezahlen müssen, gibt es Anbieter im Ausland, die für die Prüfung Ihrer Bonität Gebühren erheben. So kann es sein, dass trotz Ablehnung Ihres Kreditwunschs Kosten entstehen.

2. Hohe Zinsen:

Vielleicht mögen die Richtlinien zur Kreditvergabe in manchen Ländern laxer sein und Sie erhalten trotz schlechter Bonität ein Darlehen. Dafür müssen Sie aber in der Regel hohe Zinsen bezahlen. Diese Kosten können Ihren Kredit extrem verteuern und die Rückzahlung verlängern oder die Raten unnötig erhöhen. Im schlimmsten Fall sind Sie nicht mehr in der Lage Ihren „Kredit ohne Schufa“ zu tilgen.

3. Gesetzliche Unterschiede:

Sollte es zu juristischen Problemen mit Ihrem Kreditdienstleister kommen, müssen Sie sich an die Gesetze des jeweiligen Landes halten. So können zum Beispiel deutliche Unterschiede beim Verbraucherschutz oder bei der Vertragsgestaltung bestehen, die Ihnen zum Nachteil geraten. Darüber hinaus sind gerichtliche oder anwaltliche Aktivitäten über Landesgrenzen hinweg in der Regel komplizierter, langwieriger und teurer. Eventuell können Sie es sich überhaupt nicht leisten, anwaltlich oder gerichtlich gegen das ausländische Kreditinstitut vorzugehen.

4. Währungsrisiken:

Schließen Sie einen Kredit im Ausland in einer Fremdwährung ab, besteht ein deutliches Kursrisiko. So kann es sein, dass der Franken bei einem Schweizer Kredit deutlich steigt. Ihr Kredit wird damit sofort teurer und Sie müssen deutlich mehr zurückzahlen. Schwankungen bei Währungskursen können selbst Profis häufig nicht voraussehen.

Aufgrund dieser Gefahren ist es auch bei seriösen Anbietern nicht ratsam einen Kredit im Ausland aufzunehmen.

Welche Alternativen gibt es für den Auslandskredit?

1. Verbesserung der eigenen Bonität

Da die Voraussetzung für eine erfolgreiche Kreditaufnahme bei seriösen Anbietern eine gute Bonität ist, sollten Sie hier ansetzen. Denn Ihre Kreditwürdigkeit können Sie selbst beeinflussen. Diese Schritte sollten Sie deshalb gehen:

 

  • Kontrollieren Sie Ihre Schufa-Daten regelmäßig und korrigieren Sie Fehler:

Sie können einmal pro Jahr kostenlos Ihre bei der Schufa gespeicherten Daten abrufen. Die Auskunftei ist nach Paragraph 34 Absatz 1 des Bundesdatenschutzgesetzes dazu verpflichtet. Zum einen wissen Sie mit Hilfe der Daten immer genau, wie es um Ihre Kreditwürdigkeit bestellt ist. Zum anderen können Sie fehlerhafte Datensätze korrigieren lassen. So können bereits getilgte, aber noch eingetragene Kredite die Bonität verschlechtern.

Alternativ zur Schufa können Sie auch bei Anbietern wie ScoreKompass Ihre Bonität regelmäßig kostenfrei kontrollieren.

  • Kündigen Sie nicht mehr benötigte Kreditkarten:

Jede Kreditkarte verfügt über einen bestimmten Kreditrahmen, der Ihnen gewährt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Rahmen überhaupt von Ihnen genutzt wird oder nicht. In der Schufa-Datei steht Ihr Kreditrahmen als Kredit und verringert Ihre Bonität. Dies gilt umso mehr, wenn mehrere Kreditkarten aktiv sind.

  • Kündigen Sie nicht mehr benötigte Girokonten:

Wenn Sie ein Girokonto nicht mehr nutzen, sollten Sie es kündigen, da auch eingetragene Konten in der Schufa-Datei gespeichert werden. Viele Girokonten verringern die Kreditwürdigkeit. Sind dort außerdem Dispokredite eingerichtet, verringern diese Ihre Bonität, auch wenn Sie die Kredite nicht ausschöpfen.

  • Tilgen Sie laufende Kredite immer fristgerecht:

Vermeiden Sie Mahnungen bei Kreditrückzahlungen. Zieht eine Bank mehrmals erfolglos eine Kreditrate ein, kann das zu einem negativen Schufaeintrag führen.

  • Bezahlen Sie Ihre Rechnungen immer innerhalb der vorgegebenen Frist:

Pünktlichkeit gilt beim Bezahlen von allen Rechnungen, ganz gleich ob vom Stromanbieter oder Möbelversand. Wer nach mehrmaligen Mahnungen im Verzug ist, riskiert nicht nur Inkassoverfahren, sondern auch negative Einträge in der Schufa.

  • Bleiben Sie Ihrem Girokonto möglichst treu:

Wer sein Girokonto häufig wechselt, mag im besten Fall zwar Kontoführungsgebühren sparen, aber langfristig sorgt er für eine verringerte Kreditwürdigkeit. Bleiben Sie am besten längere Zeit bei einem Anbieter, bevor Sie das Girokonto wechseln.

  • Vermeiden Sie Dispokredite:

Dispokredite sollten nur als temporäre Lösung genutzt werden. Gleichen Sie diese immer so schnell wie möglich aus, um Ihre Kreditwürdigkeit zu optimieren.

2. P2P-Kredite

Sollte der Finanzierungsbedarf drängender sein, kann es zu lange dauern, bis die Kreditwürdigkeit durch die eben vorgeschlagenen Maßnahmen verbessert wird. In diesem Fall kann ein sogenannter P2P-Kredit (engl. Peer-to-Peer) eine sinnvolle Alternative zum Kredit aus dem Ausland sein. Diese Privatkredite werden nicht von Banken, sondern von privaten Geldgebern zu individuellen Konditionen angeboten. Zwar erfolgt auch hier eine Bonitätsprüfung, aber letztlich hängt die Kreditvergabe vom Ausfallrisiko ab, das die privaten Kreditgeber einzugehen bereit sind. So können Sie auch mit schlechter Bonität oder als Selbständiger mit unregelmäßigen Einkünften einen Kredit erhalten. Zwar liegt die Verzinsung meist höher als bei Bankkrediten, doch der P2P-Kredit ist immer noch besser als ein Auslandskredit.