Steuervorteile durch Ehe: Heiraten oder nicht?

Wer sich traut, hat nicht immer nur die Liebe im Sinn – wird zumindest immer wieder gerne behauptet, denn die Vorteile einer Ehe können durchaus auch finanzieller Natur sein. Dieses gilt allerdings bei weitem nicht in jedem Fall.

Wer aus rein finanziellen Gründen vor den Traualtar tritt, sollte sich vorher informieren, ob der vermeintliche „Ehe-Vorteil“ tatsächlich einer ist.

Vorteile einer Ehe: Hier lohnt sich ein Trauschein

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Finanzielle Vorteile durch Einkommenssteuer (Ehegattensplitting)

Einer der größten finanziellen Vorteile einer Ehe ist das s.g. Ehegattensplitting, bei dem das Einkommen beider Partner zusammengerechnet und in zwei gleiche Teile getrennt (gesplittet) wird. Dadurch ergeben sich echte “Steuervorteile Ehe”, denn diese beiden gleich großen Teile sind dann die Grundlage für die Berechnung der Einkommenssteuer für beide Partner. Diese Regelung lohnt sich nur dann, wenn einer der beiden Ehepartner deutlich mehr verdient als der andere.

Wie der Bund der Steuerzahler ausgerechnet hat, liegt z.B. die Steuerersparnis eines Paares bei 8600 Euro, wenn einer der beiden Partner pro Jahr 100.000 Euro verdient und der andere überhaupt nichts. Verdient allerdings der eine Partner 70.000 Euro und der andere 30.000 Euro – in der Summe also wieder 100.000 Euro – fällt die Ersparnis mit rund 1200 Euro deutlich geringer aus. Bei gleich großen Einnahmen der Partner gibt es schließlich überhaupt keinen Vorteil mehr vom Ehegattensplitting.

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Ehe-Vorteile bei der Erbschaftssteuer

Im Todesfall erbt der Hinterbliebene im Fall einer Eheschließung bis zu einem Freibetrag von 500.000 Euro steuerfrei. Es werden also keine Abgaben an das Finanzamt fällig. Ist das Paar unverheiratet, gilt lediglich die Freibetragsgrenze von 20.000 Euro. Alles, was dann darüber liegt, wird mit Steuersätzen von bis zu 50 Prozent besteuert.

Zudem erbt ein Ehepartner automatisch. Ohne Trauschein kommt es auf ein Testament an.

Ehe-Vorteile bei der Riester-Rente

Ähnlich wie bei der Erbschaftssteuer kann es bei einem Riester-Rentenvertrag von Vorteil sein, eine Ehe eingegangen zu sein – allerdings wiederum nur im Todesfall. Stirbt ein Ehepartner, kann dessen angespartes Kapital samt der staatlichen Förderungen auf einen Riester-Vertrag des hinterbliebenen Ehepartners überschrieben werden. Falls der oder die Hinterbliebene keinen Riester-Vertrag abgeschlossen hat, kann dieses nachgeholt werden.

Eine ähnliche Regelung gilt auch bei der Rürup-Rente.

Wer alles aus seiner Steuererklärung herausholen möchte, kann Kredite steuerliche geltend machen.

 

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Steuervorteile: Ehe-Partner profitieren von staatlicher Renten-Regelung

Was für die Riester-Rente gilt, gilt auch für die staatliche Rente: Im Todesfall erhält der Hinterbliebene vom Staat eine Witwenrente. Außerdem gibt es einen Anspruch aus einer eventuellen Betriebsrente, was, wie auch bei der staatlichen Rente, bei unverheirateten Paaren ohne weiteres nicht möglich ist.

Lediglich bei privaten Rentenversicherungen kann auch der uneheliche Partner berücksichtigt werden.

Steuervorteile: Ehe mit Vorzügen bei der Krankenversicherung

Ist ein Partner arbeitslos oder übt einen 450-Euro-Job aus, kann dieser bei der gesetzlichen Krankenversicherung des anderen Partners mitversichert werden – und zwar ohne weitere Kosten. Dieses ist nur bei verheirateten Paaren möglich, nicht bei unverheirateten. Dieses geht zudem nur bei gesetzlichen Krankenversicherungen, nicht bei privaten.

Ärztliche Schweigepflicht bei Ehepartnern

Ein weiteres Plus einer Ehe: Die Partner gelten als Angehörige und bekommen vom Arzt Auskünfte, die nichteheliche Partner verwehrt bleiben.

Eheleute können zum Beispiel über Behandlungsmethoden entscheiden, wenn der Partner nicht mehr in der Lage dazu ist. Zudem haben Eheleute Anspruch auf Sonderurlaub im schweren Krankheitsfall und im Todesfall des Partners. Unverheiratete Partner gelten juristisch hier lediglich als Bekannte.

Hochzeit nicht nur eine Frage des Geldes

Es gibt durchaus viele Paare, für die die genannten Punkte keine oder nur eine geringe Rolle spielen. Wenn zum Beispiel beide Partner in etwa gleich viel verdienen und/oder es nur wenig zu vererben gibt, gibt es keine finanziellen Vorteile bei einer Eheschließung. In dem Fall steht also die Liebe uneingeschränkt im Vordergrund, wenn es um die Frage geht: heiraten oder nicht?