Wie Verbraucher mit der Privatinsolvenz schuldenfrei werden können

schuldenfalle vermeidenSchulden zu haben ist in der heutigen Gesellschaft nichts Ungewöhnliches. Aktuellen Angaben zufolge ist derzeit jedoch fast jeder zehnte Verbraucher überschuldet und kann die Schulden aus eigener Kraft nicht zurückzahlen, weil die Ausgaben dauerhaft die Einnahmen übersteigen. Privatinsolvenzen sind in vielen Fällen der einzige Ausweg aus den Schulden.

Die Privatinsolvenz, die auch Verbraucherinsolvenz genannt wird, gibt überschuldeten Verbrauchern, die zahlungsunfähig sind und keine selbstständige Tätigkeit ausüben, die Möglichkeit vollständig schuldenfrei zu werden. Während des Privatinsolvenzverfahrens muss der Schuldner vorhandenes Vermögen und Einkünfte, die eine festgelegte Mindesthöhe des Nettoeinkommens überschreiten, den Gläubigern zur Verfügung stellen, um die Forderungen der Gläubiger bestmöglich zu bedienen und die Schulden allmählich abzutragen.

Spätestens 6 Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt dann die Restschuldbefreiung ein. Dabei ist es irrelevant wie hoch die Schulden waren oder wie viele Gläubiger ein Schuldner hatte. Dem Verbraucher soll durch die Privatinsolvenz die Chance eingeräumt werden, wieder am wirtschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

Voraussetzungen: Privatinsolvenz anmelden

Wer kann einen Antrag auf Eröffnung der Privatinsolvenz stellen? Die Privatinsolvenz kann grundsätzlich jederzeit von allen Verbrauchern angemeldet werden, die noch nie selbstständig waren:

  • Schüler und Studenten
  • Angestellte
  • Beamte
  • Rentner
  • Arbeitslose

Ehemalige Selbstständige können die Verbraucherinsolvenz anmelden, vorausgesetzt es gibt nicht mehr als 19 Gläubiger und es bestehen keine Verbindlichkeiten aus vorherigen Arbeitsverhältnissen. Werden die Voraussetzungen nicht erfüllt, kann keine Privatinsolvenz angemeldet werden. Eine Regelinsolvenz bzw. Firmeninsolvenz kann dann stattdessen beantragt werden.

Des Weiteren kann eine Privatinsolvenz nur beantragt werden, wenn der Schuldner nachweisen kann, dass eine außergerichtliche Schuldenbereinigung gescheitert ist, weil:

  • Gläubiger die vorgeschlagene Ratenzahlung nicht akzeptieren
  • eine Zwangsvollstreckung vollzogen wird
  • der Schuldner komplett zahlungsunfähig ist

Erst wenn ein Anwalt, eine Schuldnerberatung oder die Verbraucherzentrale das Scheitern der außergerichtlichen Einigung offiziell bestätigt, kann der Antrag zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Gericht eingereicht werden.

Deswegen lohnt es sich die Privatinsolvenz zu beantragen

Verbraucher, die sich in einer finanziellen Notsituation befinden, aus der sie mit eigenen Mitteln nicht entfliehen können – auch nicht durch eine Umschuldung, können die Beantragung eines Insolvenzverfahrens in den meiste Fällen nicht umgehen. Aus Angst vor Einschränkungen im gewohnten Lebensstandard versuchen viele Verbraucher zunächst ein Insolvenzverfahren zu umgehen.

Ist ein Verbraucher jedoch bereits zahlungsunfähig, so ist die Einleitung eins Insolvenzverfahrens allerdings fast unumgänglich und in der Praxis im Vergleich zum Versuch trotz Überschuldung ein normales Leben organisieren zu können oft deutlich angenehmer. Bereits mit Beginn der Beantragung des Insolvenzverfahrens wird die Entschuldung systematisch geplant. Der Schuldner weiß somit ganz genau, wann er schuldenfrei sein wird. Weil viele Schuldner oft vor dem Insolvenzverfahren mehr Geld an Gläubiger zahlen als aus rechtlicher Sicht notwendig ist, hat die geregelte Tilgung zudem finanzielle Vorteile. Außerdem ist es Gläubigern nach der Einleitung des Insolvenzverfahrens nicht länger gestattet Zwangsvollstreckungen durchzuführen. Ohne Privatinsolvenz dürfen Gläubiger über 30 Jahre lang Pfändungen vornehmen.

 

Ganz ohne Folgen geht eine Privatinsolvenz jedoch nicht vonstatten. So muss beispielsweise der Arbeitgeber über die Situation informiert werden, weil dieser das pfändbare Einkommen an den Insolvenzverwalter zahlen muss. Auch trotz Restschuldbefreiung gibt es Verbindlichkeiten, die nicht erlöschen. Dazu zählen allerdings nur Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubter Handlung.

Das gesamte Insolvenzverfahren geht mit einem gewissen bürokratischen Aufwand einher. Der Schuldner muss beispielsweise in regelmäßigen Abständen Auskunft über die finanzielle Situation geben. Zusätzlich zur Auskunftspflicht unterliegt jeder Schuldner in der Privatinsolvenz der Mitwirkungspflicht und muss sich daher beispielsweise um ein angemessenes Einkommen bemühen. Ergänzend dazu wird die Information über die Verbraucherinsolvenz bei der Schufa noch drei Jahre nach dem sechsjährigen Gesamtverfahren gespeichert, wodurch sich die Bonität des Schuldners verschlechtert.

Privatinsolvenz: Vor-und Nachteile im Überblick

 

Vorteile einer Privatinsolvenz        Nachteile einer Privatinsolvenz    
Schuldenfrei nach 3,5 oder spätestens 6 Jahren Arbeitgeber muss über Privatinsolvenz informiert werden
Keine Konto- oder Lohnpfändungen mehr Einschränkungen bezüglich des Konsumverhaltens
Sicherung des Existenzminimums durch gesetzlich festgelegten Selbstbehalt Permanente Rechenschaftspflicht gegenüber Treuhänder bzw. Insolvenzverwalter
Wirtschaftlicher Neustart Verschlechterung der Bonität
Löschung der Schufa-Einträge, 3 Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensphase Langwieriger Prozess

 

Welche Kosten entstehen während einer Privatinsolvenz?

Aufgrund der individuellen Berechnung ist es nicht möglich, eine exakte und allgemeingültige Kostenprognose zu erstellen. Insolvenzschuldner müssen grundsätzlich die Verfahrenskosten tragen und für alle Gerichtskosten sowie die anwaltlichen Beratungskosten und den Treuhänder aufkommen. Verbraucher haben jedoch die Möglichkeit, die Gerichtskosten, die sich in ihrer Höhe nach dem Wert des pfändbaren Vermögens richten, durch eine Stundung nach dem Ende der Wohlverhaltensperiode in Raten oder Nullraten zu zahlen. Meist liegen die Kosten zwischen 300 und 500 Euro. Der Treuhändler erhält in der Regel einen einmaligen Betrag, zusätzlich zu einer jährlichen prozentualen Vergütung.

Dauer und Ablauf: 4 Schritte der Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz besteht aus den nachfolgenden vier Abschnitten:

  1. Außergerichtlicher Einigungsversuch vor der Insolvenz

Weil das Insolvenzverfahren erst beantragt werden kann, nachdem der Schuldner versucht eine außergerichtliche Schuldenbereinigung durchzuführen und diese gescheitert ist, muss der Schuldner zunächst versuchen einen Insolvenzvergleich zu erwirken. Kann so eine Einigung erzielt werden, entfällt das Verfahren zur Privatinsolvenz. Ist eine Einigung mit den Gläubigern jedoch  nicht möglich, kann der Insolvenzeröffnungsantrag beim Insolvenzgericht eingereicht werden.

  1. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren

Zusammen mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens müssen Verbraucher folgende Unterlagen einreichen:

  • Bescheinigung über Scheitern der außergerichtlichen Einigung mit Gläubigern
  • Antrag auf Erteilung von Restschuldbefreiung
  • Vermögensübersicht
  • Schuldenbereinigungsplan
  • Verzeichnis aller Gläubiger
  • Auflistung der fälligen Forderungen

Bevor das Gericht ein Privatinsolvenzverfahren eröffnet, überprüft es nochmal die Möglichkeit eines Schuldenbereinigungsplans und konfrontiert die Gläubiger hiermit. Lehnen die Gläubiger auch den gerichtlichen Schuldenplan ab, wird das Verfahren zur Privatinsolvenz eröffnet.

 

  1. Vereinfachtes Insolvenzverfahren

Nachdem das vereinfachte Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet wurde, wird das pfändbare Vermögen des Schuldners verwertet und nach Abzug der Verfahrenskosten an die Gläubiger ausgezahlt. Oft wird hierfür unterstützend ein Treuhänder eingesetzt.

 

  1. Restschuldbefreiungsverfahren mit Wohlverhaltensphase

Wie lange dauert die Privatinsolvenz? Von dem Tag der Eröffnung der Privatinsolvenz bis hin zur Restschuldbefreiung vergehen gewöhnlich 6 Jahre. Lediglich wenn die Schulden nach 3 Jahren bereits zu 35 Prozent getilgt und die Verfahrenskosten vollständig übernommen wurden oder nach 5 Jahren die gesamten Verfahrenskosten gezahlt wurden, kann eine vorzeitige Befreiung veranlasst werden und die Dauer der Privatinsolvenz verringert werden.

In der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner weiterhin pfändbares Einkommen den Gläubigern zukommen lassen und der Mitwirkungspflicht nachkommen. Verhält sich der Schuldner vertragskonform, stehen ihm im 5. und 6. Jahr mehr Einkommen zur Verfügung. Läuft die Wohlverhaltensphase aus, kann der Schuldner die Restschuldbefreiung beantragen, die bei Anerkennung zur vollständigen Befreiung von allen Restschulden führt. Gläubiger haben dann keinen Anspruch mehr auf Forderungen aus der Vergangenheit.