In den meisten Fällen sind Immobilienkredite ausnehmend lang laufende Finanzprodukte. Wir sprechen von Zeiträumen, die im Privatbereich typischerweise zwischen einem und drei Jahrzehnten liegen.
In einem so langen Zeitraum kann sich am allgemeinen Zinsniveau vieles verändern, ausgelöst beispielsweise durch Änderungen beim Leitzins, Inflation oder Deflation, politische Entscheidungen, Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage und noch einiges mehr. Ohne eine Sollzinsbindung gäbe es weder für Sie noch die Bank Planungssicherheit. Der Zinssatz würde sich ständig ändern, mitunter sogar mit jeder Rate. Dadurch würden sich die Raten unvorhersehbar erhöhen oder senken und im Extremfall die ganze Finanzierung ins Wanken bringen – diese Unsicherheit wäre auch nicht im Sinn des Kreditinstituts.
Die Sollzinsbindung ist also de facto eine „Versicherung“ für beide Parteien:
- Sie gibt Planungssicherheit für den vereinbarten Zinsbindungszeitraum.
- Sie entkoppelt einen Kredit vom ständigen Auf und Ab des Zinsniveaus.
- Sie schützt Sie bei steigenden und die Bank bei fallenden Zinssätzen.
- Sie erhält die Option, nach Ablauf auf das dann aktuelle Zinsniveau zu reagieren.


Zugegeben, wenn Sie montags einen Immobilienkredit mit zehnjähriger Sollzinsbindung zu 6,0 Prozent abschließen und die EZB freitags den Leitzinssatz um beispielsweise 0,25 Prozent senkt, wäre das für sie ein Nachteil – hätten Sie nur diese wenigen Tage mit dem Abschluss gewartet, läge der angebotene Zinssatz mit Sicherheit unter 6,0 Prozent.
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Gut zu wissen
Da der Mechanismus jedoch auch umgekehrt exakt so funktioniert, sollten Sie die Sollzinsbindung eher als Sicherheit wahrnehmen. Nicht nur im Fall von steigenden Zinssätzen, sondern weil Sie dank der Zinsbindung für einen mehrjährigen Zeitraum genau wissen, was Ihre Immobilienfinanzierung Sie monatlich kosten wird.